Rassentypische Gendefekte

Rassentypische Gendefekte


Als Gendefekte werden Erkrankungen bezeichnet, die von den Elterntieren auf ihre Nachkommen übertragen werden. Genetisch bedingte Krankheiten finden sich unter allen Katzenrassen. Die Früherkennung dieser Leiden ist für einen gesunden Fortbestand der Rassekatzen von großer Bedeutung. Seriöse Züchter lassen ihre Zuchttiere deshalb von einem Tierarzt entsprechend untersuchen.



Hypertrophen Kardiomyopathie (HCM)


HCM ist eine Herzmuskelerkrankung, bei der sich der Herzmuskel außergewöhnlich verdickt. Durch die verdickten Wände zwischen den Herzkammern wird dem Herzen der Platz genommen, sodass das Herz nicht mehr ausreichend mit Blut versorgt wird. Durch Rückstauungen besteht die Gefahr, dass das Blut in den Lungenkreislauf kommt – die Folge davon sind Flüssigkeit in Lunge und Brusthöhle. Schwer erkrankte Tiere sterben zumeist an plötzlichem Herztod, verursacht durch Kammerflimmern, Herzrhythmusstörungen oder an Herzversagen.


HCM vererbt sich autosomal dominant d.h. Erbkrankheiten treten schon beim Vorhandensein nur eines defekten Gens auf. Besitzen beide Elterntiere kein HCM, so bringen sie ausschließlich gesunde Nachkommen zur Welt. Besitzt ein Elterntier ein mutiertes bzw. defektes Gen (mischerbiges Trägertier), so bekommen 50% der Nachkommen ebenfalls ein defektes Gen. Sind bei einem Elterntier beide Gene defekt (reinerbiges Trägertier), so sind alle Nachkommen betroffen (Entweder mischerbige Trägertiere oder reinerbige Trägertiere). Aus diesem Grund müssen Trägertiere aus der Zucht genommen werden.


HCM kann durch eine Ultraschalluntersuchung getestet werden. Diese Untersuchung sollte erst ab dem zwölften Monat durchgeführt werden und anschließend alle zwei Jahre wiederholt werden, da HCM mitunter Jahre braucht, um entdeckt zu werden.


Des Weiteren werden seit einigen Jahren Gentests von Laboklin angeboten. Diese Untersuchung kann schon nach wenigen Wochen durchgeführt werden. Durch die immer größer werdende Datenbank haben diese Gentests bereits eine gute Aussagekraft. Der Gentest gibt Auskunft über die Veranlagung, in naher Zukunft eine HCM ausbilden zu können. Er sagt nicht, ob das Tier aktuell an HCM erkrankt ist – dies wird über eine Ultraschalluntersuchung festgestellt.



Polycystic Kidney Disease (PKD)


Bei PKD erkrankten Tieren siedeln sich an den Nieren eine oder mehrere große oder kleine Zysten an. Diese Zysten können wachsen und befallen dann das Nierengewebe und schränken – je nach Größe und Anzahl – die Funktion der Nieren ein.


Die wenigsten Tiere sterben an PKD. Entsprechende Futtersorten ermöglichen oftmals aber ein langes und lebenswertes Leben. Bei schwer erkrankten Tieren kann PKD jedoch zum Nierenversagen führen.


PKD vererbt sich (wie HCM) autosomal dominant.


Auch PKD wird mittels Ultraschalluntersuchung getestet. Sie braucht nur einmal im Katzenleben durchgeführt werden. Es wird empfohlen, diese Untersuchung erst ab dem zwölften Monat durchführen zu lassen. Laboklin bietet auch bei PKD einen Gentest an, der nach wenigen Wochen durchgeführt werden kann.



Pyruvatkinase-Defizienz (PK-Def.)


Bei PK-Def. erkrankten Katzen fehlt die  Pyrovatkinase, die ist ein lebenswichtiges Enzym zur Energiegewinnung im Körper darstellt. Fehlt dieses Enzym, wird die Lebensdauer der Erythrozyten (roten Blutkörperchen) stark reduziert. Als Folge kommt es zu einem schnelleren Abbau der roten Blutkörperchen und zu schweren Anämien (Blutarmut). PK-Def. endet leider immer tödlich.


PK-Def. wird autosomal rezessiv vererbt, d.h. die Nachkommen werden nur erkranken, wenn sie zwei mutierte bzw. kranke Gene besitzen. Besitzen beide Elterntiere kein PK-Def., so haben auch die Nachkommen kein defektes Gen.  Haben beide Elternteile zwei defekte Gene (reinerbige Trägertiere), sind sie selber erkrankt und all ihre Kitten ebenfalls. Diese Tiere müssen in jedem Fall aus der Zucht genommen werden. Trägt nur ein Elternteil ein defektes Gen sind die Nachkommen entweder mischerbige Trägertiere (ein gesundes und ein defektes Gen) oder haben zwei gesunde Gene. Mit einem solchen Tier kann weiterhin gezüchtet werden, jedoch muss strengsten darauf geachtet werden, dass das andere Elterntier kein defektes Gen hat, da sonst nicht alle Nachkommen gesund sind.


Man kann einen Gentest mittels Blut- oder Speichelprobe auf PK-Def. durchführen lassen. Es werden sowohl erkrankte Tiere als auch Trägertiere erkannt.



Glycogenspeicherkrankheit (GSD IV)


Bei dieser Krankheit handelt es sich um eine erbliche Fehlfunktion des Glukosestoffwechsels. Glukose wird in der Leber, den Muskeln und den Nervenzellen in Form von Glykogen gespeichert. Bei einem erkrankten Tier kommt es zu einer abnormalen Glykogen-Ausschüttung in den verschiedenen Zellen, was auf Dauer zu Fehlfunktionen in den entsprechenden Organen führt. Kitten, die von dieser Erbkrankheit betroffen sind, sterben meistens bei oder kurz nach der Geburt an Überzuckerung. Überleben die Kitten die Geburt, so ist die Lebenserwartung jedoch auf maximal zehn bis vierzehn Monate beschränkt.


GSD IV wird (wie PK-Def.) autosomal rezessiv vererbt.


Durch einen Gentest mittels Blut- oder Speichelprobe kann GSD IV getestet werden. Es werden sowohl erkrankte Tiere als auch Trägertiere erkannt.



Ein Tipp aus der Praxis: Schauen Sie sich den Stammbaum Ihrer Katzen genau an. Prüfen Sie, ob die Vorfahren ein untypisch kurzes Leben hatten. Dies könnte ein Indiz für Erbkrankheiten sein.

© von der Hudau  I  Kontakt  I   Impressum